Schimmel entfernen: Welcher Ratgeber passt zu Ihrem Befall?

Schimmel entfernen ist keine einheitliche Aufgabe. Welches Mittel Sie verwenden, wie viel Material heraus muss und ob die Arbeit überhaupt in Ihre Hände gehört, hängt davon ab, was wächst und worauf. Eine verschimmelte Silikonfuge in der Dusche und eine abgeschottete Sanierung hinter Gipskarton haben außer dem Atemschutz kaum etwas gemeinsam. Die Übersicht führt Sie zum passenden Ratgeber und zeigt, wo nach dem Umweltbundesamt die Grenze zwischen einem Nachmittag Eigenarbeit und einem Fachbetrieb für Schimmelsanierung liegt.

Die Regel, die für jede der folgenden Arbeiten gilt

Zuerst kommt die Feuchtigkeit. Schimmel ist die sichtbare Folge eines Feuchteproblems, und solange ein Leck, Tauwasser oder hohe Luftfeuchte bleiben, hält eine gereinigte Fläche oft nur wenige Wochen. Die zweite Regel folgt aus der ersten: Ziel ist, den Schimmel physisch zu entfernen, denn auch abgetötete Sporen und Bruchstücke enthalten Allergene und Mykotoxine. Eine desinfizierte, aber nicht gereinigte Fläche belastet die Raumluft weiter. Das Umweltbundesamt hält Biozide bei einer Schimmelsanierung deshalb in der Regel für nicht notwendig.

Können Sie den Schimmel selbst entfernen?

Das Umweltbundesamt zieht die Grenze für Eigenarbeit bei oberflächlichem Befall von weniger als etwa einem halben Quadratmeter mit bekannter Ursache. Die übrigen Grenzen ergeben sich daraus, was aufgewirbelter Schimmel mit der Raumluft macht.

Unter etwa 0,5 m² auf Fliesen, Fugen, Glas, Metall oder versiegeltem Holz
Das können Sie selbst übernehmen. Wasser und ein Haushaltsreiniger genügen, dazu Schutzhandschuhe, Atemschutzmaske und Schutzbrille.
Unter etwa 0,5 m² auf Putz oder gestrichenen Wänden, nur an der Oberfläche
Meist selbst machbar, mit einem Reiniger mit 70 bis 80 % Alkohol oder einem Haushaltsreiniger ohne Essig.
Poröses Material, durch das der Schimmel gewachsen ist, etwa Teppich, Dämmung, Gipskarton oder aufgequollene Spanplatten
Das befallene Material wird entfernt, weil eine Reinigung hier nicht ausreicht.
Mehr als etwa 0,5 m² oder Befall, der tiefer in den Putz reicht
Ein Fachbetrieb, so empfiehlt es das Umweltbundesamt.
Auch kleiner Befall, dessen Ursache Sie nicht kennen
Ein Fachbetrieb, weil zuerst die Feuchtequelle geklärt werden sollte.
In Wandhohlräumen, Lüftungsanlagen oder Klimageräten
Ein Fachbetrieb, weil das Freilegen die Sporen im Raum verteilt.
Nach Hochwasser oder wenn Abwasser beteiligt war
Ein Fachbetrieb, und poröses Material wird entsorgt.
Jemand im Haushalt hat Beschwerden, eine Schimmelallergie, Asthma oder ein geschwächtes Immunsystem
Ein Fachbetrieb, und die Betroffenen halten sich während der Arbeiten nicht in der Wohnung auf.

Wenn Sie bereits Beschwerden haben, die mit Schimmel zusammenhängen könnten, überlassen Sie die Entfernung besser anderen. Das Aufwühlen einer Kolonie kann die Sporenzahl in der Raumluft um ein Vielfaches erhöhen. Am stärksten trifft diese Belastung dann die Person, die ohnehin schon reagiert.

Eine staatliche Zulassung für Firmen der Schimmelsanierung gibt es in Deutschland nicht. Das Umweltbundesamt nennt auf seiner Website Qualitätskriterien, an denen Sie einen geeigneten Fachbetrieb erkennen können. Die vollständige Methode für eine größere Sanierung, mit Abschottung, Geräteanforderungen, dem Austausch von Gipskarton und der Kontrollmessung danach, beschreibt der Ratgeber zur Schwarzschimmel-Sanierung.

Kleine Flächen selbst entfernen: das Vorgehen nach dem Umweltbundesamt

Der Schimmelleitfaden des Umweltbundesamts beschreibt, wie Bewohner kleinen, oberflächlichen Befall mit bekannter Ursache selbst beseitigen können. Entscheidend ist staubarmes Arbeiten, damit sich die Sporen nicht in der Wohnung verteilen.

1

Schützen Sie sich.

Tragen Sie Schutzhandschuhe aus Kunststoff, eine einfache Atemschutzmaske (etwa FFP2) und bei Arbeiten über Kopf eine Schutzbrille. Ihre Kleidung waschen Sie danach gründlich.

2

Räumen Sie den Bereich frei.

Lebensmittel, Spielzeug, Kleidung und andere Textilien bringen Sie vorher aus dem Raum oder decken sie ab.

3

Arbeiten Sie feucht und staubarm.

Feuchtes Wischen ist dem Saugen vorzuziehen, und aufs Fegen verzichten Sie ganz. Wenn Sie saugen, dann nur mit einem Gerät mit HEPA-Filter und dichtem Gehäuse.

4

Reinigen Sie glatte Flächen mit Haushaltsreiniger.

Fliesen, Glas, Metall und Fugen wischen Sie mit Wasser und einem haushaltsüblichen Reiniger ab und wechseln das Wischwasser mehrfach. Deutlich befallene Silikonfugen lassen sich meist nicht reinigen und werden erneuert.

5

Wischen Sie Putz und Anstrich mit Alkohol ab.

Für verputzte oder gestrichene Wände eignet sich ein Reiniger mit 70 bis 80 % Alkohol und ein Mikrofasertuch. Lüften Sie dabei gut, verwenden Sie nur kleine Mengen und halten Sie offenes Feuer fern.

6

Entsorgen Sie befallenes Material dicht verpackt.

Befallene Tapeten feuchten Sie an und lösen sie ab. Was sich nicht reinigen lässt, kommt in reißfeste Müllsäcke, die Sie verschließen, ohne die Luft herauszudrücken, und mit dem Hausmüll entsorgen.

Essigreiniger eignen sich laut Leitfaden nicht für Putz und andere poröse Baustoffe, weil sie den pH-Wert verändern und dem Schimmel zusätzliche Nahrung bieten können. Vom Vernebeln von Schimmelmitteln in der Raumluft rät das Umweltbundesamt ebenfalls ab. Bei sichtbarem Befall mit geklärter Ursache sind nach dem Leitfaden in der Regel auch keine Messungen nötig, bevor saniert wird.

In einer Mietwohnung melden Sie den Befall am besten zuerst schriftlich beim Vermieter. Das Umweltbundesamt empfiehlt Mietern außerdem, das Erneuern von Silikonfugen mit dem Vermieter abzusprechen. Die wichtigsten Punkte fasst das Amt auch in seinen Antworten zu Schimmel in der Wohnung zusammen.

Bevor Sie anfangen und wenn Sie fertig sind

Wenn Sie noch nicht wissen, womit Sie es zu tun haben, stellt der Ratgeber Schimmel erkennen die fünf gesundheitlich wichtigsten Arten und die Staubtests vor, die sie nachweisen. Einem Geruch ohne sichtbaren Befall gehen Sie am besten nach, bevor Sie irgendetwas reinigen. Der Beitrag zum muffigen Geruch in der Wohnung nennt die Suchreihenfolge Raum für Raum.

Danach hält die Arbeit nur, wenn sich die Bedingungen ändern. Der Taupunktrechner zeigt, ob die Luft in einem Raum an den kältesten Flächen bereits kondensiert. Der Luftentfeuchter-Rechner nennt die Leistung, die ein Gerät braucht, um die Luftfeuchte bei etwa 50 bis 55 % zu halten. Das lässt Abstand zu der Obergrenze von 65 bis 70 %, die das Umweltbundesamt für die Raumluft nennt.

Wenn Sie bereits einen Laborbericht haben, erklärt das kostenlose Werkzeug Testergebnisse verstehen ERMI-, HERTSMI-2- und Mykotoxin-Befunde in Klartext.

Hat der Schimmel Ihrer Gesundheit geschadet?

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