Grüner Schimmel: Wie gefährlich ist er wirklich?
Sie haben einen grünen Fleck entdeckt, der sich über die Fugen, die Fensterbank oder die Rückseite eines Brotlaibs ausbreitet, und Sie möchten eine klare Antwort darauf, ob Sie sich Sorgen machen sollten.
Der meiste grüne Schimmel ist ein häufiger Pilz im Haushalt, der allergieähnliche Beschwerden auslöst und bei genug Zeit und Feuchte echte Atemwegsprobleme verursachen kann. Ob er Ihnen schadet, hängt fast nur von drei Dingen ab, die mit der Farbe nichts zu tun haben. Das sind die Menge, das Material, auf dem er wächst, und die Menschen, die dieselbe Luft atmen.
Dieser Ratgeber gibt wieder, was Mykologen, das Umweltbundesamt, das Bundesinstitut für Risikobewertung, die Weltgesundheitsorganisation und die Internationale Agentur für Krebsforschung tatsächlich über Schimmel in Innenräumen sagen. Er verzichtet auf die Panikmache, mit der manche Anbieter teure Sanierungen verkaufen, die Sie womöglich nicht brauchen. Er dient nur der Information und ersetzt weder eine fachliche Begutachtung noch ärztlichen Rat.
Kurz gesagt
Die Farbe ist der unzuverlässigste Hinweis, den Sie haben. Beurteilen Sie einen Fleck nach drei Dingen. Wie viel ist es (etwa 0,5 m² ist nach dem Umweltbundesamt die Grenze)? Auf welchem Material wächst er (glatte Flächen lassen sich reinigen, poröse Materialien werden meist ausgebaut)? Wer atmet ihn ein (Säuglinge, ältere Menschen und alle mit Asthma oder geschwächtem Immunsystem reagieren früher)? Mit diesen drei Antworten wird aus einem vagen Unbehagen eine Entscheidung, die Sie begründen können.
Was grüner Schimmel eigentlich ist
„Grüner Schimmel“ ist keine Art. Es ist eine Farbe, die Dutzende verschiedener Pilze tragen können. Wer von grünem Schimmel spricht, sieht fast immer eine von drei Gattungen vor sich.
Cladosporium ist weltweit der häufigste Schimmelpilz in Innenräumen. Er reicht von Olivgrün bis Dunkelgrünschwarz und besiedelt feuchte Wände, Textilien und Fensterrahmen. Penicillium ist der flauschige blaugrüne Belag, den Sie von vergessenem Brot und Zitrusfrüchten kennen, und er breitet sich in feuchtegeschädigten Wohnungen schnell aus. Aspergillus ist eine große Gattung, die grün, gelb oder weiß auf Gipskarton, in Lüftungsanlagen und auf Lebensmitteln erscheint. Sie ist für die Gesundheit am wichtigsten, und weiter unten geht es ausführlicher um sie.
Für die Praxis heißt das, dass die Farbe Grün Ihnen sehr wenig verrät. Eine grüne Penicillium-Kolonie auf einer Fensterbank und eine grüne Aspergillus-Kolonie in Ihrem Lüftungsgerät sind verschiedene Probleme mit verschiedenem Gewicht. Die Farbe ist der unzuverlässigste Hinweis, den Sie haben.
Die grünen Schimmelpilze in Ihrer Wohnung im Überblick
Unter dem Mikroskop löst sich der grüne Flaum an Ihrer Wand in eine Handvoll üblicher Verdächtiger auf. Zu wissen, welcher es wahrscheinlich ist, verändert, wie ernst Sie ihn nehmen sollten. Die genaue Art bestätigt nur ein Labortest, aber Wuchsform und Fundort grenzen sie schnell ein.
| Art | Typisches Aussehen | Wo er wächst | Was wirklich zählt |
|---|---|---|---|
| Cladosporium | Oliv bis grünschwarz, wildlederartig | Fensterrahmen, Textilien, Bad, feuchte Wände | Sehr häufiges Allergen und Asthmaauslöser, selten infektiös |
| Penicillium | Flauschig, blaugrün | Durchfeuchteter Gipskarton, Tapete, Teppichstaub, Lebensmittel | Starkes Allergen, einige Arten bilden Mykotoxine |
| Aspergillus fumigatus | Samtig, blaugrün | Lüftungsanlagen, Staub, Dämmung, Kompost | Höchstes Infektionsrisiko, verursacht Aspergillose in geschwächten Lungen |
| Aspergillus flavus | Gelbgrün bis limettengrün | Nüsse, Getreide, feuchte Wände, Ventilatoren von Klimageräten | Bildet Aflatoxin, ein Karzinogen der Gruppe 1, vor allem ein Risiko in Lebensmitteln |
| Aspergillus versicolor | Wechselnd grün, wächst langsam | Gipskarton, Teppich, feuchte Wände | Bildet Sterigmatocystin und wächst schon bei geringer Feuchte |
| Trichoderma | Leuchtend bis bläulich grün, schnell | Durchnässtes Holz und Gipskarton, Lüftungsanlagen, Anstriche | Zeigt einen ernsten Wasserschaden an, auf Baustoffen meist wenig Toxine |
Cladosporium: der Schimmel, den Sie vermutlich schon kennen
Cladosporium ist der Alltagsschimmel im Haushalt. Er ist so verbreitet, dass seine Sporen ganz normal in der Außen- und Innenraumluft vorkommen. Er verträgt kühlere Temperaturen als die meisten Pilze und besiedelt deshalb gern Kühlschrankdichtungen, Fensterdichtungen und schattige Ecken im Bad. Für die allermeisten Menschen ist er ein Allergen und keine Infektionsgefahr. Er steckt hinter Niesen, verstopfter Nase und juckenden Augen, wenn die Sporenzahl steigt. Da er selten in Gewebe eindringt, hat ein gesunder Erwachsener mit einem kleinen Cladosporium-Fleck eine Putzaufgabe vor sich und kein medizinisches Problem.
Penicillium: schnell, flauschig und meist eher lästig
Penicillium ist der blaugrüne Belag auf altem Brot und der Schimmel, der sich nach einem Wasserschaden rasch über Gipskarton ausbreitet. Seine Sporen verteilen sich leicht über die Luft, deshalb kann ein einzelner feuchter Fleck Kolonien im ganzen Raum auslösen. Die häufigste Art in Innenräumen, Penicillium chrysogenum, bildet auf Baustoffen nur wenige nachweisbare Toxine. Eine starke Sporenbelastung ließ sich bei gesunden Menschen bisher nicht verlässlich mit schweren Erkrankungen in Verbindung bringen. Als echtes Allergen setzt er empfindlichen Menschen und Asthmatikern allerdings deutlich zu. Einige wenige Penicillium-Arten können unter passenden Bedingungen Mykotoxine wie Ochratoxin A bilden, deshalb spielen Menge und Ort trotzdem eine Rolle.
Aspergillus: die Gattung, die echten Respekt verdient
Bei Aspergillus ist grüner Schimmel mehr als ein Schönheitsfehler. Zu dieser Gattung gehören die Arten, die am ehesten tatsächlich Krankheiten auslösen. Es handelt sich um viele verschiedene Arten, und sie schaden auf unterschiedliche Weise.
Aspergillus fumigatus wirkt samtig blaugrün und hat das höchste Infektionsrisiko aller häufigen Innenraumschimmel. Bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem, bestehender Lungenerkrankung oder vorgeschädigten Atemwegen können seine feinen Sporen über eine Allergie hinaus eine Aspergillose auslösen, eine ernste Lungeninfektion. Ein gesundes Immunsystem beseitigt diese Sporen ohne Folgen. Deshalb ist dieselbe Kolonie für den einen Menschen harmlos und für den anderen gefährlich.
Aspergillus flavus ist eher gelbgrün und vor allem für Aflatoxin bekannt, das die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) als Karzinogen der Gruppe 1 einstuft. Entscheidend ist, dass Aflatoxin vor allem ein Problem der Lebensmittelsicherheit ist. Es reichert sich in falsch gelagerten Nüssen, Getreide und Mais an und ist kein alltägliches Risiko aus der Luft über einer Kolonie an der Wand. Es spricht also sehr dafür, verschimmelte Lebensmittel ernst zu nehmen, und kaum dafür, wegen einer Fensterbank in Panik zu geraten.
Aspergillus versicolor arbeitet im Verborgenen. Er wächst langsam und ist xerophil. Er kann also bei geringer Feuchte weiterwachsen, bei der seine Konkurrenten längst aufhören. Deshalb hält er sich auf Gipskarton und hinter Wänden, lange nachdem eine Oberfläche trocken aussieht. Er bildet Sterigmatocystin, einen leberschädigenden und möglicherweise krebserregenden Stoff. Eine hartnäckige, langsam wachsende grüne Kolonie auf Gipskarton verdient daher mehr Aufmerksamkeit als ein schneller Belag, den Sie von Glas abwischen.
Trichoderma: das Warnsignal für einen Wasserschaden
Trichoderma zeigt sich als leuchtend bis bläulich grüner Bewuchs und besiedelt durchnässtes Holz und Gipskarton rasch, sobald zellulosehaltiges Material nass bleibt. In Innenräumen kommt er seltener vor als die drei großen Gattungen, und auf Baustoffen bildet er Studien zufolge meist wenig Toxine. Sein eigentlicher Wert liegt im Hinweis, den er gibt. Eine kräftige Trichoderma-Kolonie bedeutet fast immer ein anhaltendes, ernstes Feuchteproblem. Wenn Sie ihn finden, lohnt sich vor allem die Suche nach dem Leck.
Allen diesen Pilzen ist eines gemeinsam. Die Art können Sie mit bloßem Auge nicht bestimmen, das leistet nur ein Test. Wuchsform und Fundort können Sie aber deuten, und der Check mit drei Fragen weiter unten bestimmt Ihr Vorgehen, ganz gleich, welcher Pilz es ist.
Warum die Frage „Ist grüner Schimmel gefährlich?“ zu kurz greift
Im Netz wird gern darüber gestritten, ob grüner Schimmel giftig ist. Diese Frage verleitet zu schlechten Entscheidungen, weil sie ein Ja oder Nein verlangt, wo es in Wirklichkeit viele Abstufungen gibt.
Ein Penicillium-Fleck von der Größe einer Münze auf einem kalten, glatten Fenster in einem Haushalt ohne immungeschwächte Menschen ist in fünf Minuten beseitigt, und danach wird besser gelüftet. Dieselbe Art auf einer feuchten Schlafzimmerwand, die ein Kind mit Asthma jede Nacht einatmet, ist eine echte gesundheitliche Belastung. Pilz und Farbe sind in beiden Fällen gleich, das Risiko ist völlig verschieden. Die Farbe blieb gleich, während sich alles änderte, was tatsächlich zählt.
Wenn Sie unsicher sind, hilft es deshalb mehr, herauszufinden, womit Sie es zu tun haben, und die Folgen einer Belastung zu prüfen, als zu raten.
Der Risiko-Check für grünen Schimmel
Gehen Sie diese drei Fragen durch, bevor Sie in Sorge geraten oder jemanden bezahlen. Sie beruhen auf den Größen, die einen Schaden tatsächlich vorhersagen, und die Farbe gehört nicht dazu.
Wie viel ist es?
Die wichtigste Zahl ist die befallene Fläche. Das Umweltbundesamt zieht in seinem Schimmelleitfaden eine praktische Grenze bei etwa 0,5 m². Darunter können gesunde Bewohner oberflächlichen Befall in der Regel selbst entfernen, wenn die Ursache bekannt ist. Darüber steigt die Sporenbelastung beim Reinigen schnell an, und das Umweltbundesamt rät zu einem Fachbetrieb. Ein paar verstreute Punkte sind kein Befall der ganzen Wand, und wer beides gleich behandelt, gibt zu viel Geld aus oder verdrängt das Problem.
Auf welchem Material wächst er?
Das Material entscheidet, ob Sie das Problem lösen können. Auf nicht saugenden Flächen wie Glas, glasierten Fliesen und Metall sitzt der Schimmel obenauf. Dort lässt er sich abwischen und bleibt weg, sobald die Feuchte behoben ist. In porösen Materialien wie Gipskarton, rohem Holz, Teppich und Deckenplatten wachsen die Pilzfäden, die Hyphen, nach innen, wo kein Wischen hinkommt. Grüner Schimmel auf einer Fensterscheibe ist eine Putzaufgabe. Derselbe Schimmel in durchfeuchtetem Gipskarton bedeutet meist, dass das Material herausgeschnitten wird.
Wer atmet ihn ein?
Dieselbe Belastung wirkt auf verschiedene Lungen unterschiedlich. Säuglinge, Menschen über 65, Menschen mit Asthma oder Allergien und alle mit geschwächtem Immunsystem reagieren schon auf geringere Mengen und mit schwereren Folgen. Wenn das auf jemanden in Ihrem Haushalt zutrifft, sollten Sie jede Grenze in diesem Ratgeber enger ziehen und früher handeln.
Mit diesen drei Antworten wird aus einem vagen Unbehagen eine Entscheidung, die Sie begründen können. Die Grenze von etwa 0,5 m² stammt aus dem Schimmelleitfaden des Umweltbundesamts.
Wo grüner Schimmel auftritt und was er Ihnen anzeigt
Grüner Schimmel zeigt Feuchtigkeit an. Ohne Wasser kann er nicht wachsen, deshalb weist jede Kolonie auf ein Leck, zu hohe Luftfeuchte oder Tauwasser hin, das noch nicht behoben ist.
Im Bad und an Fenstern sammelt er sich, weil warme, feuchte Luft auf kalte Flächen trifft und dort kondensiert. Im Keller gedeiht er, weil dort Feuchtigkeit hängen bleibt und die Luft sich kaum bewegt. An Außenwänden und Wärmebrücken bildet sich Tauwasser, wo die Wand am kältesten ist. Lüftungsanlagen und Klimageräte sind die unauffällige Gefahr, weil eine Kolonie im Gerät oder in den Kanälen ihre Sporen beim nächsten Betrieb in jeden angeschlossenen Raum verteilt. In der Küche wächst er auf Lebensmitteln und hinter Geräten. Wo immer Sie ihn finden, ist der Schimmel das Symptom und das Wasser die Ursache. Wer das Grün wegschrubbt und die Feuchte übergeht, legt damit nur den Termin für den nächsten Bewuchs fest.
Die Fläche, auf der er wächst, verändert Ihre Möglichkeiten. Für Fugen, Silikon und Decken hilft der Ratgeber Schimmel oder Stockflecken im Bad weiter, und für Terrassen, Möbel und Balken der Ratgeber zu Schimmel und Stockflecken auf Holz.
Grüner Schimmel auf Lebensmitteln: Reicht es, die Stelle wegzuschneiden?
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist hier strenger, als viele erwarten, und rät, verschimmelte Lebensmittel grundsätzlich zu entsorgen.
Weiche und feuchte Lebensmittel gehören in den Müll
Brot, Obst, Konfitüre, Kompott, Fruchtsaft, Milch und Milchprodukte wie Joghurt oder Weichkäse sowie gekochte Reste enthalten viel Wasser. Darin breiten sich die Pilzfäden und ihre unsichtbaren Stoffwechselprodukte weit über den sichtbaren Fleck hinaus aus. Wenn Sie das Grüne abschneiden, ist der Rest deshalb nicht sicher. Einige Penicillium- und Aspergillus-Arten bilden Mykotoxine, und diese sind nach dem BfR fast alle hitzestabil. Toasten oder Aufkochen macht sie also nicht unschädlich.
Als Ausnahmen nennt das BfR luftgetrocknete Salami und Schinken am Stück, nicht als Aufschnitt. Dort entfernen Sie die befallenen Teile großzügig und essen sie nicht mit. Die grünen Adern im Blauschimmelkäse und der weiße Flaum auf Brie oder Camembert sind gezielt eingesetzte Edelschimmel. Sie sind etwas völlig anderes als eine unerwartete Kolonie auf Ihren Resten und für den Verzehr unbedenklich.
Grüner Schimmel und Schwarzschimmel: was der Unterschied wirklich bedeutet
Viele halten Schwarzschimmel für den gefährlichen und grünen Schimmel für den harmlosen. Die Wirklichkeit ist weniger ordentlich, aber nützlicher.
Mit „Schwarzschimmel“ ist meist Stachybotrys chartarum gemeint, ein schmieriger, dunkelgrüner bis schwarzer Pilz. Er braucht anhaltende Durchnässung, etwa durch ein langes unbemerktes Leck, und wird mit ernsteren Beschwerden in Verbindung gebracht. Grüne Schimmelpilze wie Aspergillus und Cladosporium sind viel häufiger, wachsen schon bei mäßiger Feuchte und sind wahrscheinlicher das, was Sie gerade vor sich haben. Der Farbmythos verdeckt dabei etwas Wichtiges. Einige der für gefährdete Menschen gefährlichsten Pilze in Innenräumen sind grün und nicht schwarz. Aspergillus fumigatus, ein grüner Schimmel, kann bei immungeschwächten Patienten eine Aspergillose auslösen. Und Stachybotrys selbst sieht oft dunkelgrün aus, bevor er schwarz wird.
Die Farbe ist ein erster Hinweis und keine Diagnose, und die Regeln für die Entfernung sind bei beiden nahezu gleich. Ausführlich geht es darum im Ratgeber zur Schimmelsanierung bei Schwarzschimmel. Beurteilen Sie jede Kolonie nach den drei Risikofragen und nicht nach ihrer Farbe.
Beschwerden, auf die Sie achten sollten
Für die meisten Menschen wirkt grüner Schimmel als starkes Allergen. Typische Zeichen sind eine hartnäckig verstopfte oder laufende Nase, Niesen, ein kratziger Hals, Husten oder pfeifende Atmung, brennende oder tränende Augen und Hautreizungen. Was Schimmel von einer verschleppten Erkältung unterscheidet, ist der zeitliche Verlauf. Beschwerden, die nachlassen, wenn Sie ein oder zwei Tage außer Haus sind, und zurückkehren, wenn Sie wieder da sind, deuten auf Ihre Umgebung hin und nicht auf ein Virus.
Bei längerer oder stärkerer Belastung wächst das Risiko für Nebenhöhlenentzündungen, ein sich verschlechterndes Asthma und anhaltende Müdigkeit. Penicillium ist ein anerkanntes Allergen, das mit heuschnupfenartigen Reaktionen und Atembeschwerden in Verbindung steht. Aspergillus verdient den meisten Respekt, weil er bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem oder Lungenerkrankung von einer Allergie zu einer Infektion werden kann. Wenn jemand im Haushalt Blut hustet, unerklärtes Fieber hat oder eine diagnostizierte Immunerkrankung hat und zugleich sichtbarer Schimmel da ist, gehört das in eine ärztliche Praxis und nicht in die Reinigungsabteilung.
Einen ausführlicheren Überblick gibt unser Ratgeber zu den Symptomen einer Schimmelvergiftung.
Grünen Schimmel entfernen, ohne es schlimmer zu machen
Chlorhaltige Schimmelsprays gelten vielen als das Mittel der Wahl. Das Umweltbundesamt hält Biozide wie Chlor bei der Schimmelentfernung im Wohnraum jedoch in der Regel für nicht notwendig.
Chlor gehört nicht zur üblichen Schimmelentfernung. Auf porösen Materialien zieht das Wasser der Lösung ein, während das wirksame Chlor an der Oberfläche bleibt und verdunstet. Übrig bleibt eine gebleichte, sauber wirkende Oberfläche mit lebenden Pilzfäden darunter, und die zusätzliche Feuchte kann neuen Bewuchs sogar fördern. Chlor wirkt nur auf glatten, nicht saugenden Flächen, und selbst dort erledigen Wasser und Haushaltsreiniger dieselbe Aufgabe ohne die Dämpfe.
So hält die Reinigung:
Zuerst das Wasser beseitigen. Dichten Sie das Leck ab, entfeuchten Sie die Luft oder beheben Sie das Tauwasserproblem. Ohne diesen Schritt hält alles Folgende nur vorübergehend.
Sich selbst schützen. Eine FFP2-Maske, Handschuhe und eine Schutzbrille sind nicht übertrieben, sobald Sie eine Kolonie aufwühlen, denn beim Schrubben gelangen Sporen in die Luft.
Nicht saugende Flächen. Glas, Fliesen und Metall schrubben Sie mit Wasser und Haushaltsreiniger und trocknen sie anschließend vollständig. Mehr braucht es dort nicht.
Poröse Materialien. Gipskarton, Teppich und Deckenplatten mit sichtbarem Bewuchs müssen in der Regel ausgebaut und ersetzt werden, weil sie sich nicht reinigen lassen. Diesen Schritt scheuen viele, und er ist der Grund, warum Schimmel so oft zurückkehrt.
Die eigene Grenze kennen. Wenn der Befall größer als etwa 0,5 m² ist, in einer Lüftungsanlage oder einem Klimagerät sitzt oder nach behobener Feuchte immer wieder auftritt, ziehen Sie einen Fachbetrieb hinzu.
Unsere Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Schimmel entfernen beschreibt Abschottung und Materialien im Detail.
Wann ein Test sinnvoll ist
Um einen kleinen Fleck von einem Fenster zu wischen, brauchen Sie kein Labor. Bessere Informationen brauchen Sie, wenn die Lage unklarer ist. Das gilt für Schimmel, den Sie riechen, aber nicht finden, für Beschwerden, die mit Ihrer Wohnung zusammenhängen, obwohl alle sichtbaren Flächen sauber aussehen, und für eine verdeckte Kolonie, die Sie in der Lüftung vermuten. In solchen Momenten hilft ein günstiges Screening mehr als Verdrängen oder eine überstürzte Ausgabe. Es gibt Ihnen außerdem etwas Konkretes an die Hand, das Sie einem Fachbetrieb oder Ihrer Ärztin zeigen können.
Wenn in Ihrer Wohnung grüner Schimmel war und Sie Beschwerden ohne klare Ursache haben, prüft der kostenlose Test zur visuellen Kontrastempfindlichkeit zu Hause ein messbares Zeichen einer Biotoxin-Belastung. Er dauert keine 15 Minuten und braucht nur Ihren Bildschirm. Ein Screening ist keine Diagnose, und auffällige Ergebnisse besprechen Sie am besten mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Vorbeugen: So findet grüner Schimmel bei Ihnen keinen Anfang
Jede der beschriebenen Kolonien brauchte Wasser, und genau darin liegt Ihr dauerhafter Vorteil. Halten Sie die relative Luftfeuchte in Innenräumen bei 30 bis 50 %, und messen Sie sie mit einem günstigen Hygrometer, damit Sie den Wert kennen und nicht schätzen müssen. Das Umweltbundesamt nennt 65 bis 70 % als Grenze, die die Raumluft nicht dauerhaft überschreiten sollte. Lüften Sie beim Duschen und Kochen und danach, über einen Lüfter oder durch Stoßlüften. Beheben Sie Lecks innerhalb von ein bis zwei Tagen, denn Material, das länger als 48 Stunden nass bleibt, ist fast immer der Ausgangspunkt für Schimmel. Sorgen Sie für Luftbewegung in Kellern, Schränken und Ecken, in denen die Luft steht. Mit diesen wenigen Gewohnheiten verhindern Sie, dass Schimmel überhaupt erst entsteht.
Häufige Fragen
Ist jeder grüne Schimmel giftig?
Nein. Der meiste grüne Schimmel wirkt allergen und nicht giftig. Er löst also Atemwegs- und Allergiebeschwerden aus. Einige Penicillium- und Aspergillus-Arten können unter passenden Bedingungen Mykotoxine bilden, und Aspergillus kann Menschen mit geschwächter Abwehr infizieren. Ihr tatsächliches Risiko hängt von der Menge, dem Material und den betroffenen Menschen ab.
Welcher grüne Schimmel ist am gefährlichsten?
Aspergillus, genauer Aspergillus fumigatus, hat das höchste Infektionsrisiko, weil er bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem oder Lungenerkrankung eine Aspergillose auslösen kann. Auch Aspergillus flavus und versicolor verdienen Beachtung, weil sie krebserregende Mykotoxine bilden können. Flavus betrifft allerdings vor allem gelagerte Lebensmittel.
Kann ich grünen Schimmel einfach überstreichen?
Nein. Farbe schließt eine lebende Kolonie ein, die darunter weiterwächst. Schimmelhemmende Farbe beugt neuem Bewuchs auf sauberen Flächen vor und tötet vorhandenen Schimmel nicht ab. Entfernen Sie zuerst den Schimmel und beheben Sie die Feuchte.
Ist meine Wohnung unsicher, wenn ich grünen Schimmel finde?
Nicht allein deshalb. Ein kleiner Fleck mit einer behebbaren Feuchtequelle ist häufig und gut zu bewältigen. Großflächiger Befall, Befall in der Lüftungsanlage oder Schimmel, der nach der Reinigung zurückkehrt, sind die Zeichen, bei denen ein Fachbetrieb sinnvoll ist.
Kann ich Lebensmittel mit grünem Schimmel noch essen?
Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät, verschimmelte Lebensmittel grundsätzlich zu entsorgen, weil Pilzfäden und hitzestabile Toxine sich über die sichtbare Stelle hinaus ausbreiten können. Als Ausnahmen nennt es luftgetrocknete Salami und Schinken am Stück, bei denen Sie die befallenen Stellen großzügig entfernen.
Warum kommt mein grüner Schimmel immer wieder?
Meist ist die Feuchtequelle noch vorhanden, oder die Kolonie ist in ein poröses Material gewachsen, das nur an der Oberfläche gereinigt und nicht ausgebaut wurde. Wenn Sie das Wasserproblem lösen und durchfeuchtetes Material ersetzen, hört der Bewuchs in aller Regel auf.
Quellen
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